SLA-FED Federer, Heinrich: Nachlass Heinrich Federer, 1860-1981 (Bestand)

Archive plan context


Identification

Call number :SLA-FED
Title / Name :Federer, Heinrich: Nachlass Heinrich Federer
Creation date(s) :1860 - 1981
Note on the time period :Eckdaten der Dokumente
Language :Deutsch
Size (free text description) :Depositum Sarnen: 37 Archivschachteln (Standard), Sonderformate: 1 SF 1, 1 SF 3, 2 SF 4, 1 Planmappe. Sammlung Kindlimann: 18 Archivschachteln (Spezialformat)
Size (in metres) :10.50
Note :Die Dokumente aus der Kantonsbibliothek Sarnen wurden von Lukas Dettwiler inventarisiert. Die Sammlung Caspar Kindlimann wurde von Dr. Sibyll Kindlimann und Ursula Stoksa verzeichnet.
Digital copy :

Context

History of the collection :Der Teil-Nachlass von Heinrich Federer aus der Kantonsbibliothek Sarnen wurde dem SLA 2004 als Depositum übergeben. Die Sammlung Caspar Kindlimann erhielt das Schweizerische Literarchiv im Sommer 2007 von den Familien Kindlimann als grosszügige Schenkung.
Biographical information :Heinrich Federer wird am 7. Oktober 1866 in Brienz (Berner Oberland) geboren, wo sein Vater Paul Federer die Schule für Holzschnitzer leitete, seine Mutter Verena Nägeli, geb. Jäger, war eine Konvertitin aus dem zürcherischen Bülach. Bei der Übersiedlung der Familie über den Brünigpass an einem kalten Wintertag nach Sachseln (Obwalden), zieht sich der dreijährige Heinrich eine schwere Erkältung zu und leidet seitdem zeitlebens an Asthma. Der unstete Vater behält die neue Stelle als Zeichenlehrer am Kollegium Sarnen nicht lange und verlässt die Familie. Die Mutter muss sich und die drei Kinder Pauline, Heinrich und Johanna als Arbeitslehrerin und Näherin alleine durchbringen. Ihren Sohn Heinrich schickt sie ans benachbarte Benediktinerkonvikt Kollegium Sarnen zur Schule. Die beiden Eltern sterben kurz nacheinander im Jahr 1886. Der kaum zwanzigjährige Heinrich ist nun auf sich selbst gestellt.
Das Studium der katholischen Theologie führt ihn nach Eichstätt (Deutschland), Luzern (Schweiz) und St. Georgen (Österreich). 1893 wird er zum Kaplan von Jonschwil gewählt. Wegen des dauernden Asthmaleidens gibt das Amt 1899 auf. In seiner neuen
Tätigkeit als Redakteur der "Zürcher Nachrichten" macht er sich in der katholisch-sozialen Bewegung rasch einen Namen. Am 2. August 1902 wird er wegen Verdachts auf "Knabenverführung" auf der Talstation der Stanserhornbahn in Nidwalden festgenommen. Auf die Entlassung aus der Untersuchungshaft folgt die des Arbeitgebers und die Ächtung durch Kirche und Öffentlichkeit. Die Causa Federer endet im September juristisch mit dem Straftatbestand des Öffentlichen Ärgernisses. Die Gesamtkosten des Prozesses von fünfhundertsechsundzwanzig Franken und funfundsechzig Rappen werden auf Federer überwälzt. Die gesellschaftliche Ächtung dauerte an. Es folgen Jahre in "bedrückenden moralischen und materiellen Verhältnissen" (Pirmin Meier: "Der Fall Federer", Ammann Verlag, 2002). Seine 1909 beim Wettbewerb der Zeitschrift "Daheim" mit 5000 Reichsmark preisgekrönte Novelle "Vater und Sohn im Examen" sowie die "Lachweiler Geschichten" und der Roman "Berge und Menschen" (beide 1911) führen ihn endlich aus der lange anhaltenden (materiellen) Krise heraus und erlauben ihm eine Schriftstellerexistenz.
Federer verarbeitet seine Reisen und Wanderungen durch Italien (ab 1903) zu Erzählungen und Romanen. "Sisto e Sesto" (1913) gilt als seine bekannteste, die Romane "Berge und Menschen" (1911) und "Pilatus" (1912) brachten dem aktiven Bergsteiger Bestseller-Erfolge in Deutschland, zugleich aber auch die Etikette "Heimatschriftsteller" ein. Leicht wurde dabei übersehen, wie radikal Federer über die soziale Frage dachte und wie entschieden er auf der Seite der Benachteiligten stand.
Stark an sein eigenes Erleben und seine Biographie angelehnt sind sein Kindheitsroman "Das Mätteliseppi "(1916), die Jugenderinnerungen "Am Fenster" (1927) sowie der unorthodoxe Priesterroman "Jungfer Therese" (1913) und "Papst und Kaiser im Dorf" (1924). 1919 verleiht ihm die Universität Bern das Ehrendoktorat, im selben Jahr erwirbt er von den Tantiemen seiner Bücher das Haus an der Bolleystr. 44 in Zürich. 1924 wird er mit dem Gottfried Keller-Preis der Martin Bodmer-Stiftung ausgzeichnet. Heinrich Federer stirbt im Rotkreuzspital Zürich am 29. April 1928. In sein violettes Messgewand eingehüllt wird er auf dem Friedhof Rehalp (Zürich) begraben.
Postum erscheinen beim Berliner Grote Verlag 1931-1934 in zwölf Bänden Federers gesammelte Werke. 1938 veröffentlicht Oswald Floeck seine biographische Studie über den Dichter und Schriftsteller. Ab 1944 setzen sich der Luzerner Rex Verlag und Pater Sigisbert Frick für das Werk ein, die in ihrem Autor v. a. einen katholischen Priesterdichter und Idylliker der Innerschweizer Welt sehen wollten. "Erst in jüngster Zeit ist versucht worden, ihn von diesen Vereinnahmungen loszulösen und als sozialkritischen, erstaunlich modern denkenden christlichen Erzähler wieder dem ganzen deutschen Sprachraum zurückzugeben", schreibt 1981 Charles Linsmayer im Nachwort zu "Gerechtigkeit muß anders kommen.
Meistererzählungen". Die Arbeiten des Journalisten, Feuilletonisten, Rezensenten Federer mit seinem Weitblick über den helvetischen Horizont hinaus beleuchten Agnes Aregger und Edwin Schweizer in "Durch Zeit und Welt" (Rex Verlag, 1990) mit einer Auswahl kommentierter exemplarischer Zeitungsartikel. "Lies mich nicht, studiere mich" (Heinrich Federer).
Acquisition information :Depositum
Schenkung
Erwerbsdatum:2004
2007

Collection structure

Genre of archival collection :Nachlass
Description of the archival collection :Manuskripte und teilweise Typoskripte der meisten grösseren und etlicher kleinerer Werke; umfangreiche Briefsammlung, darunter ca. 100 Briefe und Karten Federers an seine Schwester Pauline Spillmann in Sachseln; viele Lebensdokumente; umfangreiche Sammlung von Zeitungsartikeln (teils in Originalen, teils in Abschriften) und Zeitungen / Zeitschriften sowie der Werke Federers; Auswahl an Sekundärliteratur; Fotografien; Dokumentation und Verwaltungsakten des ehemaligen Federer-Archivs und der Federer-Stiftung.
Preferred method of citation :Schweizerisches Literaturarchiv (SLA). Nachlass Heinrich Federer
Note on the cataloguing :Der Nachlass Heinrich Federer setzt sich aus dem "Depositum Kantonsbibliothek Sarnen" und der "Sammlung Caspar Kindlimann" zusammen. Die Dokumente aus der Kantonsbibliothek Sarnen sind im vorliegenden ead-Inventar verzeichnet. Die Dokumente der Sammlung Kindlimann sind in einem pdf-Verzeichnis aufgelistet, s. unter E-01. Die aus der Kantonsbibliothek Sarnen stammenden Dokumente und Materalien wurden nach den Erschliessungsgrundsätzen des SLA inventarisiert. Das sind die vier Teile: A: Werke, B: Briefe, C: Lebensdokumente, D: Sammlungen. Die Verzeichnung der Dokumente aus der Sammlung Kindlimann folgt einem anderen Erschliessungsprinzip (s. pdf-Verzeichnis).
Der Nachlass von Heinrich Federer setzt sich aus dem Teil-Nachlass aus der Kantonsbibliothek Sarnen und der Sammlung Caspar Kindlimann zusammen. Die Dokumente aus der Sammlung Kindlimann waren ursprünglich Geschenke Federers an seinen Freund Caspar Kindlimann-Blumer, den Textilfabrikanten aus Schwanden. Federer weilte oft zur Erholung auf dem Gut seines Freundes.
Cataloguing level :detailliert
Finding aid author:Dettwiler, Lukas
Finding aids :HelveticArchives / online
Finding aid URL :http://nbn-resolving.org/urn:nbn:ch:bel-14252

Conditions governing use and acces

Acces restrictions :Konsultation nur im Lesesaal SLA. Einschränkungen vor allem aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen.
 

Descriptors

Entries:  BestandsbildnerIn (Personen\F\Federer, Heinrich (1866 - 1928))
 

Containers

Number:8
 

Related units of description

Related units of description:siehe auch:
SLA-Saitschick-B-04-EHOF Verlagsbuchhandlung Ernst Hofmann und Saitschick, Robert; Korrespondenz, 1905.10.05-1913.09.14 (Dossier)
 

Files

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  • federer-portrait.jpg
 

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URL for this unit of description

URL: https://www.helveticarchives.ch/detail.aspx?ID=165047
 

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