GS-STAUFFER-BERN Stauffer-Bern, Karl: Teilarchiv Karl Stauffer-Bern, -1891 (ca.) (Bestand)

Archive plan context


Identification

Call number:GS-STAUFFER-BERN
Other statement of responsibility:Diverse Fotografen des ausgehenden 19. Jh.
Title:Stauffer-Bern, Karl: Teilarchiv Karl Stauffer-Bern
Creation date(s):before approx. 1891
Note on the time period:Eckdaten der Dokumente
Language:Deutsch
Size (free text description):2 Archivschachteln
Digital copy:
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Caption:Karl Stauffer-Bern mit Radierplatte. Visitenkarte.

Context

History of the collection:Geschenk von Frau Amelie Krayenbühl-Stauffer aus dem Jahr 1935 an die damalige Abteilung "K" (wie Kunst) der Landesbibliothek. Es handelt sich ausschliesslich um historische Fotografien, teils von von Stauffer-Bern selbst, teils von Dritten angefertigt. Sie dienten dem Künstler als Vorlagen für sein zeichnerisches und malerisches Werk oder dokumentieren vollendete Werke. Sämtliche Dokumente stammen - mit Ausnahme des handschriftlichen Verzeichnisses der Radierungen - direkt aus dem Nachlass Karl Stauffers.
Biographical information:Geboren 02.09.1857 Trubschachen, gestorben 24.01.1891 Florenz. Karl Stauffer [genannt Stauffer-Bern] studiert von 1876 bis 1880 an der Akademie der Bildenden Künste in München Malerei in allen Gattungen, kopiert Alte Meister, übt sich in Stilleben, Akt- und Landschaftsdarstellungen und erprobt immer wieder das Portrait, in dem er es später, nach dem Umzug nach Berlin, zu grosser Meisterschaft und zu entsprechender Anerkennung bringen soll.
Als Vorbote für diese Karriere gilt bis heute sein erstes, im Alter von 17 Jahren angefertigte "Selbstportrait mit der offenen Hand" aus dem Jahr 1872. Tatsächlich gelingen ihm im Berlin der 1880er Jahre nach einhelliger Meinung die eindrücklichsten Porträts überhaupt. Sie stehen in krassem Gegensatz zum etablierten höfisch geprägten Standesporträt, wie es noch von Franz von Lenbach u.a. in neobarocker Manier zelebriert wird.
Stauffer schafft sachliche Darstellungen für ein aufgeklärtes, gebildetes und kritisches Bürgertum, für eine Elite oft jüdischer Herkunft, die sich ganz bewusst vom Pomp wilheminischen Repräsentationsbedürfnisses verabschiedet hat.
In Stauffers Porträts treten die Mimik des Gesichts und seine psychologische Ausdruckskraft in den Vordergrund. Sie sind bereinigt von allen Standessymbolen. Der neu gewonnene Realismus und eine zuvor ungekannte Authentizität rücken seine gemalten und gezeichneten Porträts in die Nähe der Fotografie und tatsächlich bedient sich Stauffer-Bern gern dieses Mediums, um lange Modellsitzungen zu vemeiden.
Ab 1884 wendet sich der Künstler den klassischen Drucktechniken des Kupferstichs und der Radierung zu und bringt es auch dort zu grosser Meisterschaft. 1888 verlässt er Berlin zugunsten von Rom, wo er sich fortan der Bildhauerei widmet.
Diesen Schritt ermöglichen ihm seine Schweizer Mäzene Lydia Welti-Escher, die Erbin des Eisenbahnmagnaten Alfred Escher-Wyss und Emil Welti, der Sohn des gleichnamigen Bundesrates. Speziell zu Lydia Escher-Welti, die er auf ihren eigenen Wunsch hin porträtiert, entwickelt sich eine intensive Freundschaft, die bald in eine zum gesellschaftlichen Skandal führende Liaison einmündet, aus der beide Liebenden, Karl Stauffer-Bern und Lydia Welti-Escher als grosse Verlierer und gesellschaftlich Geächtete hervorgehen: Sie wird auf das politische Betreiben ihres Schwiegervaters, des Bundesrats Welti, in Rom in ein "Irrenhaus" gesperrt, er in den Kerker geworfen.
Karl Stauffer-Berns Reputation als Künstler und als Mensch ist damit zerstört. Trotz diverser Neuanläufe und der Unterstützung mancher Künstlerfreunde erholt er sich von der zu Unrecht erlittenen Schmach zeitlebens nicht mehr und stirbt an einer Überdosis des Schlaftmittels Chloral in Florenz, seinem letzten Schaffensort. Ob gewollt oder ungewollt, bleibt bis heute unklar.
Im Jahr 1912 verfasst Otto Brahm die erste Biographie über den Künstler.
Kein Geringerer als Hermann Hesse rezensiert sie für das Neue Wiener Tagblatt und schreibt: "Das dritte Buch, das mir wie ein Goldfund aus dem Haufen entgegenlachte und das ich allen ernsten Menschen als Festgabe wünsche, ist die Biographie des Berner Malers Stauffer von Otto Brahm, die bisher merkwürdig wenig bekannt war und die der Verlag Meyer und Jessen in Berlin schön und gut wieder gedruckt hat. Das Buch, dessen schönster Teil Stauffers Briefe sind, stellt das grosse, tragische Schicksal eines reinen, glühenden Künstlers dar und gibt über das Wesen der Kunst und das Wesen des Genies klareren Bericht als alle Ästhetiken und Psychologien der Welt."
(Hermann Hesse 1912, Rezension zu Brahms Buch vom 14. Januar 1912, zitiert nach der Online-Biografie Karl Stauffer-Berns, verfasst von Hans Peter Krähenbühl, vgl. http://www.stauffer-bern.ch/index.php?n=cv&f=bio.inc.php)
Acquisition information:Schenkung
Date of Acquisition:1935

Collection structure

Genre of archival collection:Teilnachlass
Description of the archival collection:Der Fototeilnachlass Stauffer-Bern in der Graphischen Sammlung der Nationalbibliothek umfasst folgende Teile:

Va) Fotoporträts Karl Stauffer-Berns als Abgelichtetem aus der Hand diverser Fotografen.
Vb) Fotoporträts berühmter Zeitgenossen aus dem persönlichen Umfeld Karl Stauffer-Berns aus der Hand diverser Fotografen und zum Teil wahrscheinlich auch aus der Hand Karl Stauffer-Bern selbst. Hier sind vor allem jene des Berliner Hofmalers Adolph Menzel, die Porträts des Literaten Gustav Freytag, Gottfried Kelles sowie Conrad Ferdinand Meyers hervorzuheben.
Vc) Fotos von Modellen im Atelier, z.T. in religiöser Szenerie (Kreuzigungsszene).
Vd) Diverse Fotoporträts im Visitkartenformat (Doppelporträt Stauffer-Bern und Anonymus; Porträts von Gustav Freytag).
Ve) Fotoreproduktionen nach Werken Karl Stauffer-Berns.
Vf) Fotoreproduktion nach einer Lithografie, vermutlich nach einem Porträt Ed. Stauffers, dem Vater des Künstlers.

Original- und Reproduktionsgrafik Karl Stauffer-Berns befindet sich alphabetisch abgelegt in der allgemeinen Porträtsammlung. Ein handschriftliches Verzeichnis der Radierungen von Karl Stauffer, datiert vom 8. August 1913 (Kunstmuseum Bern), Druckreproduktionen und Handzeichnungen befinden sich am Standort "Schweizer Künstler gross". Zeitschriftenausschnitte befinden sich am Standort "Schweizer Künstler, klein". Vgl. Liste bei den beiden Archivschachteln des Fototeilnachlasses.
Der restliche Nachlass befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv (vgl. Link unten).
Preferred method of citation:Schweizerische Nationalbibliothek, Graphische Sammlung: Teilarchiv Karl Stauffer-Bern
Cataloguing level:teilweise

Conditions governing use and acces

Acces restrictions:Konsultation vor Ort auf Voranmeldung
Language use:Deutsch

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Related material:Teilnachlass Stauffer-Bern im Schweizerischen Literaturarchiv
Inventar seines Nachlasses im Schweizerischen Literaturarchiv, vgl. URL (1). Dabei handelt es sich hauptsächlich um Manuskripte, Typoskripte, Lebensdokumente und vor allem um eine umfangreiche Briefsammlung, sowie um Zeitungsrezensionen und Publikationen.
Publications:Tobler, Konrad: Hodler, Stauffer, Wölfli : eine Berner Parallelgeschichte, Zürich, Scheidegger & Spiess, 2011.
"Verfluchter Kerl" Karl Stauffer-Bern, Maler, Radierer, Plastiker, hrsg. von Matthias Frehner, Brigitta Vogler-Zimmerli, Ausst. Kat. Kunstmuseum Bern 2007.
 

Descriptors

Entries:  Beteiligt (Personen\W\Welti-Escher, Lydia (1858-1891))
  Beteiligt (Personen\H\Hesse, Hermann (1877-1962))
  Beteiligt (Personen\K\Krähenbühl, Hans Peter (20./21. Jh.))
  Beteiligt (Personen\B\Brahm, Otto (1856-1912))
  Beteiligt (Personen\W\Welti, Emil (1825-1899))
  Beteiligt (Personen\V\Vogler-Zimmerli, Brigitta (20./21. Jh.))
  Beteiligt (Personen\K\Krayenbühl-Stauffer, Amelie (1860-1893))
  Beteiligt (Personen\F\Frehner, Matthias (1955-))
  Beteiligt (Personen\E\Escher, Alfred (1906-1980))
  BestandsbildnerIn (Personen\S\Stauffer-Bern, Karl (1857-1891))
  Beteiligt (Personen\T\Tobler, Konrad (1956-))
 

Usage

Permission required:Reproduktionsbewilligung
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Archivmitarbeiter/-innen
 

URL for this unit of description

URL:https://www.helveticarchives.ch/detail.aspx?ID=295964
 

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