SPS-SHEK Sutro, Nettie: Schweizer Hilfswerk für Emigrantenkinder, Restbestand, 1933-1961 (Bestand)

Archive plan context


Identification

Call number:SPS-SHEK
Title:Sutro, Nettie: Schweizer Hilfswerk für Emigrantenkinder, Restbestand
Creation date(s):1933 - 1961
Note on the time period:Eckdaten der Dokumente
Language:Deutsch

Context

History of the collection:Eine erste Anfrage für die Übernahme des Archivs des Schweizer Hilfswerk für Emigrantenkinder (SHEK) traf 1948 in der SchweizerischenNationalbibliothek NB (ehemals Schweizerische Landesbibliothek SLB) ein. Erst 1951 kam es zur Übergabe des "Kinderarchivs" an die NB. In der Anfrage vom 12.01.1948 ist die Rede von 10'000 Kinderakten. Tatsächlich scheinen jedoch nur ca. 3'000 Kinderakten aus den Jahren 1933-1947 übergeben worden zu sein. Der Bestand umfasste 80 Bundesordner, 10 Karteikästen und ein Dossier mit Korrespondenz. Eine "Liste der überbrachten Akten des Bernischen Hilfswerks für Emigrantenkinder", datiert vom 06.02.1957 listet folgenden Inhalt auf: 1. Rechnungen und Quittungen von von 1936-1947, 2. Listen der Namen der Kinder und ihres Zustands, 3. Akten der Assistance Médicale, 4. Verschiedenes (Protokolle u.a.), 5. Propagandamaterial, 6. Clichées für zwei Flugblätter, 7. Korrespondenzen. Aus der Korrespondenz geht hervor, dass rund 300 Akten von Frau Nettie Sutro-Katzenstein zurückbehalten worden sind. Diese sollten 1961 auch in die NB gelangen. Gemäss internen Notizen der NB, soll der Bestand zum Schweizer Hilfswerk für Emigrantenkinder 1970 aus Platzmangel dem Schweizerischen Bundesarchiv BAR als Depositum übergegeben worden sein.
Biographical information:Das Schweizer Hilfswerk für Emigrantenkinder SHEK entsteht aus der Schweizer Sektion des 1933 in Paris gegründeten Comité d’aide aux enfants des émigrés allemands, das in Paris ein Kinderheim unterstützt. 1935 löst sich das SHEK vom Pariser Comité und wird die Dachorganisation eines eigenständigen Schweizer Hilfswerks mit lokalen Sektionen, wie die bereits 1934 von Georgine Gerhard gegründete Basler Hilfe für Emigrantenkinder BHEK. Das SHEK wird von Nettie Sutro als politisch und religiös neutrales Hilfswerk zur Unterstützung von Flüchtlingskindern bis zur Auflösung 1947 geleitet.
In der Zwischenkriegszeit werden mehrere humanitäre Hilfswerke von engagierten Frauen gegründet. Mit der 1932 gegründeten Arbeiterkinderhilfe der Schweiz unter der Leitung von Regina Kägi-Fuchsmann besteht eine enge Zusammenarbeit. Als das SHEK anfängt, Kinderzüge für die Emigrantenkinder aus Paris zu organisieren, sucht Kägi-Fuchsmann die notwendigen Ferienplätze in Ferienheimen und für die jüngeren Kinder bei Pflegefamilien in der Schweiz. Das SHEK tritt als eines von 14 Hilfswerken 1937 der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Spanienkinder SAS bei, beschränkt sich aber auf finanzielle Beiträge.
Im November 1938 gelingt es Georgine Gerhard und Nettie Sutro, eine Ausnahmebewilligung zur Einreise von 300 jüdischen Kindern aus Frankfurt, Konstanz und anderen südbadischen Gemeinden zu erhalten ("300-Kinder-Aktion"). Weil der Zweite Weltkrieg ausbricht können die Kinder nicht wie geplant sechs Monate, sondern sechs Jahre lang in der Schweiz bleiben, was für sie lebensrettend ist. Zwischen 1939 und 1948 werden vom SHEK rund 5000 – zum grössten Teil "illegal" eingereiste – jüdische Flüchtlingskinder betreut. Das SHEK führt eigene Heime und schafft 1944 eine Zentrale Heimkommission, die von Georgine Gerhard präsidiert wird.
Die Ausweitung des Kriegselendes (Spanien, Finnland, Polen) und die Zunahme der Flüchtlingsströme führt im Frühjahr 1940 zum Zusammenschluss von 17 konfessionell und politisch unterschiedlich ausgerichteten Hilfswerken, inklusive der SAS, unter der Dachorganisation Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für kriegsgeschädigte Kinder SAK.
1942 wird aus dem SAK die Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK, die von 1944-1948 finanziell von der Schweizer Spende unterstützt wird, einer öffentlichen Sammlung des Schweizer Volkes, mit dem Ziel in achtzehn kriegsgeschädigten Ländern in Europa Humanitäre Hilfe und Wiederaufbauhilfe zu leisten.
Nettie Sutro-Katzenstein, geboren 01.11.1889, München, gestorben 21.09.1967, Zürich, mit Schweizer Bürgerrecht von Zürich und Gerra (Gambarogno). Historikerin und Flüchtlingshelferin mit deutschen Wurzeln und jüdischer Abstammung. Wächst als Nanette Gerstle, Tochter eines Kaufmanns mit zwei Geschwistern in München auf. Als Pseudonym für ihre literarischen Arbeiten nimmt sie den Mädchennamen ihrer Grossmutter mütterlicherseits Bessie Frankheimer-Sutro an. 1914 heiratet sie den Medizinstudenten und späteren Neurologen Erich Katzenstein, mit dem sie zwei Söhne hat. Sie studiert von 1915-1919 Philosophie und Soziologie an der Universität München. 1919 Flucht der Familie nach Bern. Fortsetzung des Studiums in Geschichte, Kunstgeschichte und Nationalökonomie an der Universität Bern, Promotion 1921 zum Thema "Das Vorparlament: Liberalismus und Demokratismus 1848". Nach einem Aufenthalt in Ascona, wo Erich Katzenstein als Bezirksarzt arbeitet, lässt sich das Ehepaar in Zürich nieder.
Nettie Sutro unterrichtet, übersetzt die ersten Werke von Ignazio Silone ins Deutsche, ist Mitarbeiterin Emil Ludwigs und arbeitet für den Rundfunk. Das Haus Katzenstein wird Treffpunkt von Intellektuellen wie Ernst Toller, Jakob Wassermann und Martin Buber. Nach der Machtergreifung des NS-Regimes unterstützen die Katzensteins die Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland von Philipp Schwartz.
1933 ist Nettie Sutro Gründungsmitglied des Comité d’aide aux enfants des émigrés allemands, Schweizersektion (ab 1935 Schweizer Hilfswerk für Emigrantenkinder SHEK). Als Mitglied der 1944 eingesetzten Sachverständigenkommission für Flüchtlingsfragen des EJPD leistet sie mit dem SHEK einen grossen Beitrag zur Kooperation zwischen den einzelnen Hilfswerken. Seit 1951 engagiert sie sich in dem von ihr mitgegründeten Schweizer Kinderdorf Kiriat Yearim in Jerusalem. In ihrem 1952 erschienenen Buch Jugend auf der Flucht 1933–1948 hält sie ihre Erinnerungen als Mitbegründerin und Leiterin des SHEK fest, die dann auch in den Ludwig Bericht von 1957 einfliessen.
Acquisition information:Schenkung
Date of Acquisition:1951
Context Information:http://onlinearchives.ethz.ch/
http://www.swiss-archives.ch/detail.aspx?ID=3808

Collection structure

Genre of archival collection:Einzeldokument(e)
Abstract:In der NB ist ein Restbestand erhalten: Tätigkeitsberichte und Jahresberichte der Zentralstelle und von verschiedenen Sektionen (Sektion Baden, Basler Hilfe für Emigrantenkinder, Bernisches Hilfswerk für Emigrantenkinder, Sektion Genf, Luzerner Hilfe für Emigrantenkinder, Sezione Ticino, Sektion Winterthur, Sektion Zürich). Dossier mit Korrespondenz NB-Nettie Sutro, sowie einige Anfragen zum Archiv.
Preferred method of citation:Schweizerische Nationalbibliothek, Spezialsammlungen: Schweizer Hilfswerk für Emigrantenkinder, Restbestand
Cataloguing level:nicht erschlossen
Finding aids:Inventare Flüchtlingsakten 1930-1950, Bd. 1: Thematische Übersicht zu Beständen im Schweizerischen Bundesarchiv, herausgegeben vom Schweizerischen Bundesarchiv, zusammengestellt von Guido Koller und Heinz Roschewski, Bern, Schweizerisches Bundesarchiv, 1999, S. 38 [online abrufbar, siehe Link unten]
Finding aid URL:http://www.bar.admin.ch/archivgut/00945/00955/01923/index.html?lang=de

Conditions governing use and acces

Acces restrictions:Konsultation eingeschränkt. Mit schriftlicher Begründung teilweise möglich

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Related material:Im Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich befindet sich der Teilnachlass von Liselotte Hilb (geb. 1921), welche von 1940-1948 Mitarbeiterin beim "Schweizer Hilfswerk für Emigrantenkinder" (SHEK) in Zürich war. Der Nachlass enthält ein Personendossier "Nettie Sutro"
Das Bundesarchiv verzeichnet unter der Signatur J2.55* das Archiv des Schweizerischen Hilfswerks für Emigrantenkinder im Zeitraum 1928-1945. Darin enthalten sind Unterlagen wie Protokolle, Korrespondenz, Finanzen, Jahresbericht einzelner Sektionen:
-der Zentralstelle des SHEK, Basler Hilfe für Emigrantenkinder, Zürcher Hilfe für Emigrantenkinder, Sektion Winterthur des SHEK, Akten des Bernischen Hilfswerks für Emigrantenkinder 1933-1948, Luzerner Hilfe, St. Galler Hilfe, Sektion Tessin, Badener Hilfe, Aarauer Hilfe, Genfer Sektion, Waadtländer Hilfe, Section neuchâteloise, Section La-Chaux-de-Fonds
-Schweizerische Zentralstelle für Flüchtlingshilfe (Protokolle, Rundschreiben, Propaganda)
-Personendossiers der Flüchtlings- und Emigrantenkinder
Unter J2.55#1970/95#7* findet sich der von der NB abgelieferte Bestand
SPS-SKBE Archiv Schweizer Kinderhilfskomitee Bern
Publications:Kovács, Ildiko, "Bürgersfrau, Historiker und Flüchtlingshelferin, Nettie Sutro", in: Helena Kanyar Becker (Hrsg.), Vergessen Frauen. Humanitäre Kinderhilfe und offizielle Flüchtlingspolitik 1917-1948, Basel: Schwabe, 2010, S. 62-75 [Helveticat Signatur N 309 710]
Gründung des Comité international de secour aux enfants im Anschluss an die schweizerische Hilfsaktion für Wien, in: Oscar Bosshardt, Die Schweizer Hilfsaktion für die hungernde Stadt Wien [...], Bern, 1921, S. 127 ff. [Helveticat Signatur N 20520]
Nettie Sutro-Katzenstein: Jugend auf der Flucht, 1933–1948. 15 Jahre im Spiegel des Schweizer Hilfswerks für Emigrantenkinder. Mit einem Vorwort von Albert Schweitzer. Europa-Verlag, Zürich 1952
Die Schweiz und die Flüchtlinge zur Zeit des Nationalsozialismus, hrsg. von der unabhängigen Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg; Mitglieder der Kommission/Gesamtverantwortung: Jean-François Bergier ... [et al.]; Projektleitung: Gregor Spuhler; wiss. Beratung: Marc Perrenoud; Autoren und Autorinnen: Valérie Boillat ... [et al.]; wiss. Mitarb.: Thomas Busset ... [et al.]; Übers.: Astrid Koch, Verlag Bern 6 (Postfach 259, 3000) : Unabhängige Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg: Vertrieb: BBL/EDMZ, 1999
Salome Lienert, "Wir wollen helfen da wo Not ist." Das Schweizer Hilfswerk für Emigrantenkinder 1933-1947, Diss., Basel 2011/12
 

Descriptors

Entries:  BestandsbildnerIn (Personen\S\Sutro, Nettie (1889-1967))
  BestandsbildnerIn (Körperschaften\S\Schweizer Hilfswerk für Emigrantenkinder)
 

Containers

Number:1
 

Related units of description

Related units of description:siehe auch:
SPS-SKBE Schweizer Kinderhilfskomitee (Comité Suisse de Secours aux Enfants): Archiv Schweizer Kinderhilfskomitee Bern, 1919-1923 (Bestand)

siehe auch:
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siehe auch:
SPS-VSAM Verein Schweizer Armeemuseum: Archiv des Vereins Schweizer Armeemuseum, 1914 (ca.)-1942 (ca.) (Bestand)

siehe auch:
SPS-MICS Bibliothèque nationale Suisse : Archives de la Mission catholique suisse en faveur des victimes de la guerre, 1939-1945 (Bestand)
 

Usage

Permission required:Reproduktions- und Aufführungsbewilligung
Physical Usability:Eingeschränkt
Accessibility:Ausgewählte Archivmitarbeiter/-innen
 

URL for this unit of description

URL:https://www.helveticarchives.ch/detail.aspx?ID=222318
 

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